De Pirdhandel

De Pirdhandel aus Läuschen un Rimels, 1. Folge – Kapitel 4

En Preister hadd enmal en Pird,
En schönen, brunen Bläßten wir’t!
Doch stunn hei nich mihr up sin Pal
Un hadd en beten Spat un wat von Schal.
Dat hadd em just nu noch so vel nich dahn.
Doch wat de Hauptsak was bi’t olle Dirt,
Hei was tau vel tau Faut all gahn.
»Vör’n Schinner is hei noch tau gaud«,
Seggt tau den Preister Jehann Haut,
»Wi will’n em irst noch düchtig ruter bäkern
Un up en Mark em denn verhäkern.«
Un as nu Hans is fett un glatt,
Dunn führt de Preister nah de Stadt,
Un durt nich lang‘, dunn bütt en Handelsmann
Vir Luggedur för Preister-Hanßen an
Un einen Daler Halftergeld.
Na, endlich kümmt de Handel t’recht.
De Preister geiht nu rümm un söcht un söcht
En anner Pird, wat beter em geföllt.
Hei söcht un söcht! De ein is em tau lütt,
Un den’n sin Farw is em nich mit,
De hett dat Spat, un de hett Gallen,
De anner kann em ok nich recht gefallen,
De Brun, de ward en Krübbensetter sin,
De Voß is dämlich ganz gewiß,
De Swart is in de Flanken em tau dünn,
Un de un de, de hewwen keinen Bliß,
Und einen Bläßten süll dat doch nu sin;
Denn wenn hei ’n beten statsch wull führen,
Denn müßt hei mit den annern doch calüren.
Na, mit de Wil dunn würd dat düstre Nacht,
Taum Handel was’t binah tau späd,
Un as de Preister dräwer nah hett dacht,
Wo hei ’ne Mähr kreg, kamm en Jud un säd:
»Wiß un wohrhaftig, straf mi Gott, Herr Paster!
Ick heww en Wallach, dat’s en Pird;
De’s unner Bräuder dusend wirt,
Den kepen Sei, un paßt er
Sei nich, denn will ick in de Ird hir sinken,
Denn will’ck verswarzen ganz un gor,
Denn fret’ck em up mit Hut un Hor
Und will en ganzen Sod dortau utdrinken.
Dat is en Wallach, segg ick, ut en grot Gestüt!
Hei is von vornehmes Geblüt
Un hett enmal den Grafen Hahnen hürt,
Un hett vir extraweiße Hinterfüß‘
Un an den Kopp en schenen Bliß.
Ick segg Se, ne! dat is en Pird,
Dat liksterwelt mit Ehre Staud calürt.
Nu wissen Se, was das vor ener is.
So ener is’t, dor kän’n Se kamen!«
Un denn bet hei de Tähn tausamen
Un nörxt un gnuckert mit den Kopp,
As hadd hei’n Tom in’t Mul nu makt so’n Mirken.
As wenn de Kinner spelen Hottepirken.
De Paster güng nu nah den Stall,
De Jud, de halte ’ne Latern
Un wull den Brunen rute ledd’n.
Doch wil dat doch tau düster all,
So seggt de Paster: »Lassen Sie ihn stehn.
Wie alt ist denn das Pferd?«
»Fiw Johr! Wiß un wohrhaftig! Seihn Se nah de Tähn.
Fiw Johr is hei, un süll hei öller sin,
So will’ck…«, röppt hir de Jud un swört
Sick glik drei Klafter nah de Ird herin.
De Preister, den de Brun geföllt,
Wil hei en Bliß un witte Beinen hett,
Ward handelseins up dörtig Pistelett
Un noch drei Daler Halftergeld.
Hei lett den Brunen glik anspannen,
Wil em dat schir all düster ward,
Un führt mit sinen Kop vergnäugt von dannen.
Knapp sünd sei ut den Dur herute kahrt,
Seggt hei tau sinen Knecht: »Johann,
Wie geht das Pferd, wie stellt’s sich an?«
»Dat Pird, Herr Paster, schint mi recht verstännig;
Hei’s still un fram un nich unbännig
Un schint recht ruhig von Natur.
Dat is en schönen Brunen, Herr Pastur.«
Nah ein’ge Tid, dunn fängt de Preister wedder an:
»Wie geht das neue Pferd, Johann?«
»Ick dank‘, Herr Paster; oh, hei geiht recht gaud«,
Seggt tau den Preister Jehann Haut,
»Irst wull de anner in den Landweg bögen,
Doch unse nige Brun, de ded sick gor nich rögen.
Hei höll den annern in den richt’gen Weg;
Ick glöw, Herr Paster, un ick segg,
Hei is hir in de Gegend all bekannt.«
»Ih«, säd de Preister, »das wär‘ ja scharmant!«
Na, kort, de Mähren güngen so tausamen,
As wiren s‘ up de Welt as Twäschen kamen;
Doch as sei kemen an dat Flag,
Wo üm den ollen Klewerslag
De Weg sick rechtsch nah’t Dörp herunner swenkt
Un wo de Weg sick twält, dunn lenkt
De Brun von sülwsten in den Nebenweg.
»Ih, dit’s doch nahrschen! Na, ick segg!«
Röppt Jehann Haut, »dit nimmt mi Wunner«,
Un is mit einen Satz von sinen Sitz herunner
Un stellt sick bi den Brunen hen un kickt em an.
»Was machst du da? Was willst du denn, Johann?«
»Ick will mi blot dat Dirt genau beseihn,
Un weiten S‘ wat, Herr Paster, wat ick mein‘?
Wi hewwen makt en schön Geschäft,
Wi heww’n den ollen Brunen wedder köfft.«

Fritz Reuter, 1853

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