De Kirschbom

De Kirschbom aus Läuschen un Rimels, 1. Folge – Kapitel 4

In Rittermannshagen, dor was mal en Mann,
De läd sick woll hen, üm tau starben,
Un wil nu doch keiner wat mitnehmen kann,
So let hei sin Kinner dat arben.

So deilt hei sin Hus un sin Hof un sin Feld
Tau gliken Deil vör sin Döchter.
»Ok kriggt nu en jeder von jug glikes Geld
Un de Hälft‘ von den Goren«, so seggt er.

Un kum dat de Oll verstorben nu was
Un was in Freden begraben,
Dunn rafften de beiden mit Hast un mit Haß
Dat Arwdeil tausam, as de Raben.

Dat Geld, dat würd deilt, un de Hofstäd dortau,
Un kein‘ von de beid‘ was taufreden;
Un as sei sick deilten den Goren genau,
Dunn heww’n sei sick gruglichen streden.

In den middelsten Stig würd en Kirschbom sin,
Nich rechtsch un nich linksch stunn hei ‚ranner.
»Dat’s min!« säd de Öllst‘, »de Kirschbom is min!«
»Du büst woll nich klauk«, säd de anner.

Un as nu de Kirschen rip wiren binah,
Dunn wull ok de Öllst sei sick austen.
»Herut ut den Bom! Herunner! Ick slah!«
Rep de Jüngst, »dat sall di wat hausten!«

Sei schüllen sick ‚rum, un sei fohrten tausam
Un kratzten sick af de Gesichter,
Sei slogen sick krumm, un sei slogen sick lahm
Un lepen tauletzt nah den Richter.

De Kirschbom, de bläuht, de Kirschbom, de drog,
De Avvekaten, de kemen;
Dat Frugensvolk jährlich sick wedder slog,
Denn kein von ehr wull sick bequemen.

De Kirschbom, de bläuht, de Kirschbom, de drog,
Un jöhrlich gaww’t en Getagel,
Un wil dat eine de annere slog,
Vertehrten de Kirschen de Vagel.

Dat Hus, dat is hen, un de Arwschaft verdahn,
Üm Geld un Gaud sünd sei rümmer;
De Kirschbom is lang‘ all verdrögt un vergahn,
De Strid äwerst wohret noch ümmer.

Fritz Reuter, 1853

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